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Sollte man die Genesis wörtlich nehmen?Allen, die an die Schöpfung glauben, wird oft unterstellt, die ganze Bibel wörtlich zu nehmen. Das trifft aber nicht zu. Um jeden Bibelteil richtig zu verstehen, ist es wichtig, die Absicht des Verfassers zu erkennen. Das ist nicht so schwierig wie es aussieht, weil die Bibel offensichtlich Folgendes enthält:
So kann man die Absicht des Verfassers von jedem Bibelteil ganz klar aus dem Stil und aus dem Inhalt erkennen. Wer war dann der Verfasser der Genesis, und welche Absicht kann man aus seinem Stil und dem Inhalt erkennen? Der VerfasserDer Herr Jesus selbst und die Evangelienschreiber sagten, dass das Gesetz durch Mose gegeben wurde (Markus 10,3; Lukas 24,27; Johannes 1,17) und auch der einheitlichen Meinung der jüdischen Schriftgelehrten und frühen Kirchenväter sowie der heutigen konservativen Gelehrten zufolge wurde die Genesis von Moses geschrieben. Das schließt nicht die Möglichkeit aus, dass Moses Zugang zu altehrwürdigen Aufzeichnungen hatte, die durch Schreiben auf Tontafeln und Weitergabe vom Vater an den Sohn, etwa über Adam-Set-Noah-Sem-Abraham-Isaak-Jakob etc. erhalten blieben. Es gibt 11 Verse in der Genesis, wo steht: „Dieses sind die Generationen [hebräisch: toledoth = „Ursprünge“ oder erweitert „Bericht der Ursprünge“] von…“ 1 Da alle diese Berichte nach den Ereignissen kommen, die sie beschreiben und die Ereignisse aus jedem Bericht eher vor als nach dem Tod der erwähnten Personen stattfanden, können sie sehr gut eher als Überschriften wohl Angaben über den Schreiber am Schluss des Schriftstücks, also Kolophone sein. Wenn das so ist, ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass Adam, Noah, Sem und die anderen einen Bericht der Ereignisse schrieben, die sich zu ihren Lebzeiten ereignet hatten und Moses, unter der Führung des Heiligen Geistes, eine Auswahl traf und alle Schriften mit seinen eigenen Kommentaren in das Buch stellte, das wir als Genesis2 kennen (siehe auch Did Moses really write Genesis?) [schrieb Mose wirklich die Genesis?]. Die Kapitel 12–50 der Genesis sind eindeutig eine authentische Geschichtsschreibung, da sie die Lebensläufe von Abraham, Isaak, Jakob und seinen 12 Söhnen, die die Urväter der 12 Stämme Israels sind, wiedergeben. Die Juden haben immer diesen Teil der Genesis von den frühesten biblischen Zeiten bis zum gegenwärtigen Tag als wahren Bericht ihrer Geschichte betrachtet. Was ist aber nun mit den ersten 11 Kapiteln der Genesis, die unser Hauptanliegen sind? Das sind diejenigen, die die meiste Kritik von modernen Gelehrten, Wissenschaftlern und Skeptikern eingebracht haben. Genesis 1–11Gibt es in diesen Kapiteln Poesie?Um diese Frage zu beantworten, müssen wir etwas weiter ausholen und betrachten, was es mit den syntaktischen Ähnlichkeiten, die in der hebräischen Poesie vorkommen, auf sich hat. Im Psalm 1,1 lesen wir: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen.“ Hier sehen wir dreifache Parallelität in den Hauptworten und den Verben (zu lesen von oben nach unten in der folgenden Tabelle):
Zu dieser offenkundigen Parallelität gibt es noch eine verborgene geschickte Steigerung der Bedeutung. In der ersten Spalte deutet „wandelt“ eine flüchtige Bekanntschaft an, „tritt“ bedeutet Bereitschaft zum näheren Eingehen und „sitzt“ meint eine längere Beteiligung. In der zweiten Spalte deutet „Rat“ einen allgemeinen Zuspruch an, „Weg“ deutet auf eine gewählte Handlungsweise und „sitzen“ kennzeichnet einen festen Zustand. In der dritten Spalte beschreibt „Gottlose“ die Bösen, „Sünder“ die Schlimmen und „Spötter“ die Verruchten. Andere Arten der hebräischen Poesie schließen konträre Parallelität ein, wie in Sprüche 27,6: „Die Schläge des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hassers sind trügerisch“ und ergänzende Parallelität wie in Psalm 46,1: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.“ 3 Und so kommen wir zu unserer Frage zurück. Gibt es in den ersten 11 Kapiteln der Genesis Poesie? Antwort: Nein, weil diese Kapitel keinen Hinweis auf irgendeine Form der hebräischen Poesie enthalten, weder in offener noch in verdeckter Form und weil bedeutende hebräische Gelehrte zustimmen, dass es so ist (siehe unten). Beachten Sie: Es gibt natürlich eine Wiederholung im 1. Kapitel der Genesis. So kommt „…und Gott sprach…“ zehnmal vor, „…und Gott sah, dass es gut/sehr gut war…“ siebenmal. „…nach seiner/ihrer Art…“ zehnmal, „…und aus Abend und Morgen wurde der …Tag…“ sechsmal. Jedoch haben diese Wiederholungen nicht die oben besprochenen poetischen Formen. Es sind Feststellungen von dem, was geschehen ist, und daher ist das Kapitel ein Tatsachenbericht und die Wiederholungen sind vielleicht Hervorhebungen, um auf die Wichtigkeit der wiederholten Worte aufmerksam zu machen. Gibt es in diesen Kapiteln Parabeln?Nein. Wenn Jesus eine Parabel erzählte, sagte er entweder, dass es eine Parabel sei, oder er begann mit einem Lächeln, so dass es für die Zuhörer klar war, dass es eine Parabel war, wie bei den vielen Gelegenheiten, als er sagte: „…das Himmelreich ist gleich…“ Solche Formulierungen oder solch ein Stil wurden vom Verfasser der Genesis 1–11 nicht verwendet. Gibt es in diesen Kapiteln Weissagungen?Nur zwei Aussagen von Gott sind prophetisch in dem Sinne, dass ihre Erfüllung in der Zukunft liegt. Eine davon (Genesis 3,15) ist die Äußerung von Gott zur Schlange (Satan) in metamorphorischer Form „…ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Ferse stechen…“ Viele haben unter „Nachkommen“ den Messias verstanden, auch die meisten Evangelikalen und sogar die jüdischen Targum-Übersetzer4 ;daher kommt der Ausdruck im Talmud: „Fersen des Messias“ 5. Der Messias würde an Wunden an seinen Füßen (am Kreuz) zu leiden haben, aber er würde vollständig Satans Macht zerstören. Diese Verse weisen auch auf die jungfräuliche Empfängnis hin, da der Messias der Nachkomme der Frau genannt wird im Gegensatz zur üblichen biblischen Praxis, eher den Vater als die Mutter des Kindes zu benennen. (siehe Genesis Kapitel 5 und 11; 1. Chronik Kapitel 1–9; Matthäus Kapitel 1; Lukas 3, 23–38). Die andere Weissagung steht in Genesis 8, 21–22 und Genesis 9, 11–17. „…und der Herr sprach in seinem Herzen: ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen…und hinfort soll keine Sintflut mehr kommen, die die Erde verderbe.“ Gibt es in diesen Kapiteln Briefe, Biographien oder Autobiographien und persönliche Zeugnisse?Wir müssen jetzt einige von den oben erwähnten Bibelstellen betrachten. Wenn Adam die Ereignisse der Schöpfungstage 1–6 kannte, muss ihm das von Gott offenbart worden sein; da Adam erst am Tag 6 geschaffen wurde, konnte er das nur wissen, wenn Gott es ihm gesagt hatte. Diese Ansicht wird gestützt durch die Worte in Genesis 2, 4a „…so sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden…“ Die Einzelheiten von Tag 7, dem Ruhetag, sind davor gestellt in Genesis 2,2–3 und dadurch wird der Bericht von einer 7-Tage-Woche vollständig, wie man erwarten mag, bevor dieser Abschluss erscheint. Dann folgen die Ereignisse von Genesis 2, 4b-5,1a. Dieser Teil erzählt von Adam, seiner Frau Eva und seinen Söhnen, und er liest sich, obgleich in der dritten Person geschrieben,6 wie ein persönlicher Bericht von dem, was Adam wusste, sah und erfuhr im Garten Eden: die Schöpfung von Eva (Kapitel 2), ihrer beider Auflehnung gegen Gott (Kapitel 3) und die Taten ihrer Nachkommen (Kapitel 4 bis 5,1). Dieser Teil endet mit den Worten „…dies ist das Buch von Adams Geschlecht…“ Ist es möglich, dass Adam Genesis 1,1–2,4a geschrieben hat als Ergebnis seiner Gespräche mit Gott vor dem Sündenfall und Genesis 2,4b-5,1 als Bericht seiner eigenen Erlebnisse? Es gibt kein Problem, was seine Fähigkeit dafür betrifft. Adam wurde als erwachsener Mann erschaffen und war ausgestattet mit großen Mengen DNA, mit allen Kenntnissen und Fähigkeiten, die er brauchte, um die Aufgaben auszuführen, die Gott ihm übertragen hatte. Er war kein Höhlenmensch! Adam wusste genug vom Gartenbau, um den Garten Eden „zu bebauen und zu bewahren“ (Genesis 2,15) und besaß genügend Intelligenz, um die verschiedenen Tierarten zu erkennen und zu benennen (Genesis 2,19). Er (und Eva) konnte mit Gott sprechen, ohne jemals ein Alphabet gelernt zu haben, und es gibt keinen Grund zu meinen, er könne nicht auch die Fähigkeit zum Schreiben gehabt haben.7 Angebliche WidersprücheWas ist mit den angeblichen Widersprüchen zwischen der Folge der Ereignisse in Genesis Kapitel 2 und den Anweisungen in Kapitel 1? Es gibt keine Widersprüche! Siehe auch Genesis contradictions? [Widersprüche in der Genesis?] Wenn wir lesen „…und Gott der Herr pflanzte einen Garten gegen Osten hin…“ (Genesis 2,8) und „…und GOTT DER HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde…“ (Genesis 2,19, Betonung eingefügt), dann ist es aus Kapitel 2 klar ersichtlich, dass die Pflanzen und Tiere vor Adam geschaffen wurden. Als Adam den Tieren Namen gab, existierten sie bereits. (Genesis 2,20). Es gibt keinen Widerspruch zur Reihenfolge der Tiere in Genesis 2,20. Das ist wahrscheinlich die Reihenfolge, in der Adam die Tiere traf, während die Reihenfolge ihrer Schöpfung in Genesis 1, 20–25 angegeben ist. Dr. Henry Morris kommentiert: „Es waren wohl nur die Tiere aus nächster Nähe, die höchstwahrscheinlich als Gefährten des Menschen in Frage kamen, die tatsächlich zu ihm gebracht wurden. Dazu gehörten die Vögel in der Luft, das Vieh (Vers 20 - wahrscheinlich Haustiere) und die Tiere auf dem Feld, offenbar die kleineren Wildtiere, die in der Nähe der menschlichen Siedlungen lebten. Die Fische im Meer, die Kriechtiere und die Tiere aus Genesis 1,24 gehörten wohl nicht dazu. Damit sind vermutlich jene wilden Tiere gemeint, die in beträchtlichem Abstand vom Menschen und seinen kultivierten Feldern lebten.“ 8 Wir wissen nicht, wie Land und Flüsse vor der Sintflut angeordnet waren, weil die vorsintflutliche Welt völlig zerstört wurde. Die Namen der Landflächen und Flüsse vor der Flut entsprechen also nicht ähnlich benannten Landflächen und Flüssen nach der Flut. Der Zweck von Genesis 2,18–25 ist nicht, einen anderen Schöpfungsbericht zu schreiben, sondern zu zeigen, dass es keinerlei Verwandtschaft zwischen Adam und den Tieren gab. Kein Tier war ihm gleich, und deshalb konnte keins für ihn ein Lebensgefährte sein. Warum nicht? Weil sich Adam nicht aus ihnen entwickelt hatte, sondern „ein lebendiges Wesen“ war, das Gott „zu seinem Bilde“ erschaffen hatte (Genesis 2,7 und 1,27). Das bedeutet (neben anderem), dass Gott Adam als eine Person schuf, mit der er reden konnte und die antworten und mit ihm kommunizieren konnte. Wie an vielen anderen Stellen der Bibel widersprechen auch hier einfache Aussagen dem Gedanken der Evolution des Menschen. Es gibt genug Hinweise um den Schluss zu ziehen, dass Adam höchstwahrscheinlich der Verfasser der Genesis 2,4b -5,1 ist, und dass dies sein Bericht von seinen eigenen Erfahrungen im Garten Eden ist, von der Schöpfung von Eva, dem Sündenfall und den Lebensläufen von Kain, Abel und Set. Der nächste Abschnitt, Genesis 5,1b bis 6,9a, beschäftigt sich mit der Generationenfolge von Adam bis Noah und endet mit „…dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht…“ Der folgende Abschnitt, Genesis 6,9b bis 10,1a, hat hauptsächlich die Arche und die Sintflut zum Inhalt und endet mit: „…dies ist das Geschlecht der Söhne Noahs: Sem, Ham und Jafet…“ Die Ausdrucksweise in dieser Niederschrift lässt vermuten, dass dieser Teil von einem von Noahs Söhnen geschrieben wurde, wahrscheinlich von Sem, der ein Vorfahre von Moses war. Diese Kapitel lesen sich wegen der Vertrautheit des Schreibers mit Einzelheiten gerade so wie ein Augenzeugenbericht. So in Genesis 8,6–12, wo man den Klang der Authentizität spürt, der charakteristisch ist für einen Augenzeugenbericht. Es könnte sogar Sems Tagebuch gewesen sein. Genesis 8, 6–12
Solche sorgfältig aufgezeichneten Einzelheiten sind Zeichen eines Augenzeugenberichts. Sie haben den Klang der Wahrheit. Es gibt also fundierte Hinweise, dass diese genau geschilderten Teile der Genesis von den Personen, die hier erwähnt sind, geschrieben wurden, um sie für bleibende Aufzeichnungen weiterzugeben. Also, wurden nun diese ersten 11 Kapitel alsBericht von authentischen historischen Tatsachen geschrieben? Antwort: Ja, aus mehreren Gründen. Hinweise in der Genesis selbst
ZusammenfassungWir kommen zur Frage zurück, die in der Überschrift dieses Artikels gestellt wird: Sollte man die Genesis wörtlich nehmen? Antwort: Wenn man die normalen Grundsätze der biblischen Exegese anwendet (ohne den Versuch, den Text den heutigen evolutionären Vorstellungen anzupassen), wird es ganz eindeutig, dass die Genesis als einfacher, klarer, authentischer und wörtlich zu nehmender Tatsachenbericht zu verstehen ist. Quellenangaben
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